Stefan Krüger | lyrische Texte
Start Texte Impressum
zurück
zucht und freiheit
zwei worte, die du sagtest
verliebten sich zu text
er atmet auf, du magst es
wie er begierig wächst
und fütterst ihn beständig
mit satten silben an
dass er bald eigenhändig
gefühle tragen kann

so reift in deiner hege
allmählich ein gedicht
das nach der guten pflege
sanft schnurrend zu dir spricht
ein wunder ist geschehen
das du geschaffen hast
das herrliche ideen
in edle worte fasst

der text strahlt in sich heiter
und zeigt vollkommenheit
doch was wird, wenn er weiter
nach anerkennung schreit
und du dann voller sorgen
weil du ja an ihm hängst
ihm heute oder morgen
die redefreiheit schenkst

wenn er in freier wildbahn
die ersten schritte geht
und er vor fremdem richter
zu seinen worten steht
dir scheint er so gelungen
und würdig für Applaus
doch sprechen andre zungen
ihn unbarmherzig aus

er sehnt sich nach dem leser
doch der fällt ihm ins wort
schon schneiden sinnverweser
die schönsten strophen fort
was wird mit ihm geschehen
wenn man ihn so zerplückt
wird er es überstehen
wenn ihm kein reim mehr glückt

er stirbt vielleicht geschunden
und du wirst traurig sein
doch hältst du ihn gebunden
geht er ganz sicher ein
das darf er nicht! du wagst es
auch wenn du wunden leckst
zwei worte, die du sagtest
verlieben sich zu text
Stefan Krüger, Köln, 20. September 2017
zurück